Bisher bestimmen Netzbetreiber selbst, welche Anbieter bei der Datenübertragung Priorität haben. Über einen Exklusivvetrag kann so ein Anbieter datenintensiver Dienste Konkurrenz einfach ausschalten, indem deren Leistungen nur in schlechter Qualität aus dem Internet abrufbar sind. Mit der Konsequenz, dass letztendlich der Provider bestimmt, welche Internetangebote seine Kunden nutzen können.
Angesichts einer drohenden Überbelastung ihrer Netze und vor dem Hintergrund des zunehmenden Angebots an datenaufwendigen Video-Dateien bei Nutzung des BBC iPlayers forderten bereits 2002 einige britische Breitbandanbieter Zusatzgebühren für das Angebot des iPlayers. Konkret würde die Zulässigkeit dieses Vorgehens die Einführung einer Internet-Maute nach sich ziehen. Ebenso argumentiert der deutsche TK-Riese T-Mobile: Nicht aufgrund des kostenlosen Telefon-Dienstes sondern aufgrund der Überbelastung sei die Nutzung des Internettelefonierdienstes Skype auf dem iPhone gesperrt (wobei die Sperre auch für alle WLan Hotspots der Telekom gilt).
Mit der anstehenden Entscheidung der amerikanischen TK-Aufsicht FCC (Federal Communications Commission), so das Wall Street Journal heute, geht Präsident Obama auf die Forderungen von Internet-Diensten wie Google, Amazon oder Skype ein, die vermehrt mit Consumer-Videos, Applikationen und Downloads auf den Markt drängen, deren Streaming-Angebot aufgrund gedrosselter Leitungen und daraus hervorgehend schlechter Qualität bisher jedoch nur ungenügend genutzt werden kann. Gegen dieses Vorgehen wehren sich nun Kable- und TK-Anbieter, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Netzwerke zu betreiben haben.
Doch Netzneutralität würde vor allem auch kleineren TK-Anbietern zugute kommen, die datenintensive Downloads bspw. für das iPhone von Apple besser anbieten können. Vor allem jedoch würde so die Weiterentwicklung des Internets nicht durch mutwillige Tarif-Angebote von Internet-Providern gebremst werden.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Europäische Kommission angesichts dieser Entwicklung ihre etwas blauäugige Position verlässt, zunehmender Wettbewerb unter den Providern würde automatisch Netzneutralität nach sich ziehen.


