Viel Freund, viel Ehr`- Dunbars Zahl und Social Networks

08.10 2009

Der britische Psychologe und Anthropologe Robin Dunbar hat aus seinen Studien an Primaten eines gelernt: Affen kraulen einander zur Aufrechterhaltung und Stärkung sozialer Bindungen. Da Menschen in ungleich größeren Gruppen leben, kraulen sie sich nicht mehr ganz so oft, dafür reden sie umso mehr. [nggallery id=38] Sprache bzw. Kommunikation als zeitökonomischer Ersatz für`s Kraulen dient demnach unter anthropologischen Gesichtspunkten vornehmlich auch dem Zwischenmenschlichen. Wirklich erstaunlich ist, dass trotz Technisierung, Digitalisierung, Vernetzung und leidlicher anderer moderner Entwicklungen das menschliche Gehirn in einigen Bereichen immer noch auf dem Stand eines Primaten ist. Aus der Verbindung mit unseren haarigen Brüdern und Schwestern schlägt Dunbar die Brücke zu den Menschen und deren Kapazität, mit anderen Menschen größere Gruppen zu bilden. Mit dem Schluss, dass Menschen tatsächlich wie noch die Haarigen vor mehr als einer Million Jahre eine durch das menschliche Gehirn begrenzte Kapazität für den Umgang mit größeren Gruppen haben. 150 ist die magische Zahl, welche die Beziehung zu Anderen begrenzt. Alles was drüber geht können wir nicht mehr managen. Dunbars Zahl und Social Media Wirft man nun einen Blick in soziale Netzwerke wie Facebook oder MySpace, übertreffen die meisten Nutzer die magische Zahl von 150 Freunden. Heißt das nun, die Kontakte sind nicht ernst zu nehmen oder haben wir mit neuen Formen virtueller Beziehungen Dunbars Zahl durchbrochen? Tatsächlich scheint es so, dass mit dem Aufkommen von Social Networking Sites und der Virtualisierung menschlicher Beziehungen eine neue Stufe in der zwischenmenschlichen Kommunikation erreicht wäre. Dies wird durch neue und unkomplizierte Formen des In-Kontakttretens und der Kommunikation möglich, wodurch auch ein Bekanntenkreis von 300, 400 oder 500 Personen verwaltet werden kann. Social Software entlastet durch seinen genial einfachen und auf die Bedürfnisse der menschlichen Kommunikation zugeschnittenen Aufbau (via Orientierungs- und Erinnerungshilfen) die Kapazität des Gehirns so, dass deutlich mehr Beziehungen organisiert werden können. Ob dies langfristig tatsächlich unsere Gehirnkapazitäten für den Umgang mit sozialen Bindungen erweitern wird, bleibt abzuwarten.

1 Response » to “Viel Freund, viel Ehr`- Dunbars Zahl und Social Networks”

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