Von wegen Twitter erlöst die Welt von Zensur …

20.10 2009

G20_Proteste_Pittsburgh

Von einer Twitter-Revolution war allerorts die Rede als im Juni, bei den wahlbegleitenden Protesten im Iran, tausende Tweets über das harsche Durchgreifen der iranischen Regierungstruppen und paramilitärischen Einheiten gepostet wurden – trotz absoluter Kontaktsperre.

Aufgrund der kaum zu stoppenden Verbreitung der als staatsfeindlich eingestuften Mundpropaganda über Social Media Dienste wie Twitter oder auch Social Networksites wie Facebook oder MySpace skandierte FOX News gleich, den Twitter-Gründern Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams den Friedensnobelpreis zu überreichen – nur gut, dass ihn Barack Obama bekommen hat. Twitter sei die „neue Form des Bürgerjournalismus“, welche der unterdrückten Masse in diktatorischen Regimes wie dem Iran oder auch China die Freiheit geben würde, um über lebenswidrige  Umstände und Staatsterror zu berichten.

Bildquelle: http://gorigirl.com

Doch warum in die Ferne schweifen, wenn Zensur auch im Westen schöne Blüten trägt. Und was dort gefordert wird, ist im eigenen Land noch lange nicht erwünscht. So geschehen bei dem kürzlich abgehaltenen G20 Gipfel der führenden Industrienationen in Pittsburgh. Bereits am 1. Tag der Proteste wurde der Sozialarbeiter Elliot Madison verhaftet, der aus einem Pittsburgher Hotel unter anderem über Twitter über die Proteste berichtete.

Dass Madison Mitteilungen über Polizeiaktionen gepostet hatte, war für die Polizei Grund genug für eine Verhaftung. Als Rechtfertigung wurde später angegeben Madison hätte mit seinen Tweets „Festnahmen sowie eine strafrechtliche Verfolgung“ von Demonstranten verhindert, habe darüber hinaus "Kommunikationseinheiten kriminell genutzt und sei im Besitz krimineller Instrumente gewesen" – ein Handy und ein Laptop. Kurze Zeit nach der Verhaftung wurde die Wohnung des Sozialarbeiters vom FBI durchsucht und zahlreiche Unterlagen sowie technische Geräte beschlagnahmt.

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Textversion des Interviews mit Elliot Madison bei DemocracyNow

Zum konkreten Aufhänger für die Verhaftung Madisons wurde seine Mitteilung, die Polizei würde Ausschwärmen und die Demonstranten sollten sich in Acht nehmen. Das ist im Prinzip genau die gleiche Art von Mitteilungen, wie sie tausendfach von Demonstrationen im Iran veröffentlicht wurde. Einziger Unterschied: während im Zusammenhang mit undemokratischen Ländern Pressefreiheit und zivilgesellschaftliche Courage groß geschrieben wird, kann sie im aufgeklärten, demokratischen Westen schon Mal zu einer Verhaftung führen.

Auf Youtube finden sich zahlreiche weitere Videos zum Polizeieinsatz in Pittsburg

4 Responses to “Von wegen Twitter erlöst die Welt von Zensur …”

  1. [...] von staatlicher Seite offen gelegt werden. Besonderen Bezug nahm die EFF dabei auf den Fall der Verhaftung von Elliot Madison, Sozialarbeiter aus Pittsburgh, der während des G20 Gipfels über Polizei-Aktionen und -Bewegungen getwittert hatte. Man [...]

  2. [...] von staatlicher Seite offen gelegt werden. Besonderen Bezug nahm die EFF dabei auf den Fall der Verhaftung von Elliot Madison, Sozialarbeiter aus Pittsburgh, der während des G20 Gipfels über Polizei-Aktionen und -Bewegungen getwittert hatte. Man [...]

  3. [...] Wie vielfach in den Medien berichtet wurde Twitter während den iranischen Wahlen massiv von Protestlern verwendet, die auf der Microblogging-Plattform über staatliche Übergriffe berichteten (#Twitterrevolution). Für einen ungehinderten Twitter-Zugang aus dem Iran setzte sich vor allem die US-amerikanische Regierung ein, die (wie viele europäische Geriegungen) ein reges Interesse an einem hiesigen Regierungswechsel bekundete. In diesem Zusammenhang berichteten wir über den völlig andersartigen Umgang der amerikanischen Reigeung mit Protestlern im eigenen Land (G20 Gi…. [...]

  4. [...] Es ist noch gar nicht lange her, etwa drei Monate, da bezeichnete Venezuelas linksnationalistischer Präsident Hugo Chavez Kurznachrichten, die über den Microbloggingdienst Twitter verschickt wurden, als terroristische Bedrohung und Twitter selbst als Werkzeug des Terrors. Prompt wollte er per Internetregulierung die Abschaltung des Dienstes erwirken. Natürlich ist längst klar, dass eine Bewertung des beliebten Kurznachrichtendienstes je nach Gesinnungslage und Auffassungsvermögen variiert und Twitter bzw. deren Begründer Mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen werden, Mal als Aufwiegler beschimpft. [...]

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