Wann haben wir eigentlich damit begonnen, Fremden zu vertrauen?

12.11 2009

Die größte Motivation, sich im Internet zu bewegen resultiert aus dem Drang, sich Informationen zu beschaffen (dies gaben 44 Prozent von 32.000 befragten aktiven Internetnutzern in einer Studie von Trendstream an).

Ein weiterer Hauptbeweggrund für den Zugang zum Internet liegt nach dieser Studie in der Möglichkeit, online einzukaufen (etwa 43 Prozent). Dicht darauf folgen ganz persönliche Beweggründe: Fast ebenso viel Befragte gaben an das Internet zu nutzen, um mit Freunden und Bekannten den Kontakt zu halten (etwa 41 Prozent).

Nach Ländern geordnet unterscheiden sich die Prioritäten etwas: So ist den Franzosen eben der Kontakt zu Freunden und Bekannten am wichtigsten, während bei den Italienern auf Platz eins der Internetnutzung die Informationsbeschaffung liegt. Engländer und Deutsche sehen in der Recherche und im Shopping die Hauptbeweggründe für einen privaten Internetanschluss. Doch allen gemeinsam ist, dass die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte auf den ersten drei Plätzen rangiert.

Das lohnt einen genaueren Blick.

Wie sehen unsere persönlichen online Netzwerke aus?

Oder anders gefragt: Wie hoch ist der Anteil Fremder in unseren sozialen Netzen?

Nach dem von Trendstream veröffentlichten Global Web Index fühlen wir uns augenscheinlich mit Unbekannten ganz wohl. Obwohl wir nur mit durchschnittlich 9 Prozent unserer Facebook-Freunde ein Bier trinken gehen würden, pflegen wir auf Social Networking Sites enge Kontakte. Wir berichten über Persönliches, veröffentlichen unsere privaten Fotos und Videos, verknüpfen diese mit geolokalisierenden Diensten und hören auf die Empfehlungen unserer (teilweise gänzlich) virtuellen Freunde. Betrachtet man andere soziale Plattformen wie LinkedIn oder Twitter, sinkt die Lust auf einen gemeinsamen Abend auf 3 bzw. 0,3 Prozent.

Wann also haben wir begonnen, Fremden zu vertrauen?

Eine Studie von Universal McCann, in der 17.000 Menschen aus 29 Ländern befragt wurden, zeigt, dass die Nutzung von Social Media – also von Social Networking Sites, Blogs sowie Video- und Foto-Plattformen – die Art, wie wir Meinungen beziehen und teilen, fundamental gewandelt hat. Überall sprechen Konsumenten über Marken, Organisationen, Unternehmen und Produkte. Und sie werden gehört, was nicht immer schmeichelhaft sein muss. Die digitale Mund-zu-Mund-Propaganda hat dazu geführt, dass wir mittlerweile mehr Wert auf die Meinung eines guten Facebook-Freundes legen, als auf die eines Nachbarn oder eines Verkäufers, denen wir gegenüber stehen. Dabei ist insgesamt das Vertrauen in Social Network-Freundschaften (auch in die Personen, mit denen man lediglich virtuell verbunden ist,) kaum geringer, als zu realen Freunden.

Was hat das für Konsequenzen?

Zunächst sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass Jeder Jeden beeinflussen kann. Für die Freundschaften selbst bedeutet dieser Wandel, dass sie auch über große Distanzen und rein virtuell geführt werden können. Eine weitere, wichtige Folge von Social Media ist, dass prinzipiell Jeder auf der Seite des Einflussnehmers stehen kann. Nicht nur Experten bewirken durch Gutachten, Studien, Analysen etc. Veränderungen, sondern auch ganz einfache Konsumenten, sofern sie Social Media Kanäle nutzen. Dabei muss gesagt werden, dass nicht Jeder den gleichen Einfluss ausüben kann. Denn um Inhalte intelligent zu streuen und zielgerichtet zu platzieren gehört das Wissen um die Vernetzung, Gewichtung und richtigen Tools dazu.

4 Responses to “Wann haben wir eigentlich damit begonnen, Fremden zu vertrauen?”

  1. Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by GangaMatai: RT @tweetmeme Wann haben wir eigentlich damit begonnen, Fremden zu vertrauen? #SocialMedia, #SozialeNetze http://bit.ly/3jEYjc...

  2. [...] durch andere Käufer. Meinungen von anderen sind offensichtlich wichtiger als Werbebotschaften, auch diese meinungen von Fremden kommen. Hierin liegt der eigentliche Wandel des Internets: Kunden und Verbraucher haben eine global [...]

  3. [...] Grund, der Social Networking Sites als unverzichtbares Marketingtool ausweist ist der, dass wir längst Fremden vertrauen was Empfehlungen angeht. Der persönliche Hinweis einer völlig unbekannten Person ist demnach wichtiger als [...]

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