Wer in den frühen Morgenstunden Twitter aufrief hatte kurzzeitig das Gefühl, in einen James-Bond-Film geraten zu sein. Anstatt zu dem Microblogging-Dienst gelangte man nämlich auf die Website der Iranischen Cyper-Armee. Dort stand:
Iranian Cyber Army
THIS SITE HAS BEEN HACKED BY IRANIAN CYBER ARMY
iRANiAN.CYBER.ARMY@GMAIL.COM
U.S.A. Think They Controlling And Managing Internet By Their Access, But THey Don’t, We Control And Manage Internet By Our Power, So Do Not Try To Stimulation Iranian Peoples To….
NOW WHICH COUNTRY IN EMBARGO LIST? IRAN? USA?
WE PUSH THEM IN EMBARGO LIST
Take Care.
Bei einer Google Suchanfrage nach eben dieser Iranischen Cyber Armee enthielt die persische Seitenbeschreibung folgenden Inhalt:
“In the name of God, As an Iranian this is a reaction to Twitter’s interference sly which was U.S. authorities ordered in the internal affairs of my country…”
Angeblich war der Microblogging-Dienst selbst nicht von der Attacke betroffen, so dass interne Datenbanken und Funktionen laut Twitter-Tweets und Twitter-Blog davon unberührt blieben. Lediglich die DNS-Einträge von twitter.com wurden vorübergehend geändert, so dass alle Anfragen umgeleitet wurden. Und zwar auf eine Seite, die den klingenden Namen The Iranian Cyber Army hatte.
Wie vielfach in den Medien berichtet, wurde Twitter während den iranischen Wahlen massiv von Protestlern verwendet, die auf der Microblogging-Plattform über staatliche Übergriffe berichteten (#Twitterrevolution). Für einen ungehinderten Twitter-Zugang aus dem Iran setzte sich vor allem die US-amerikanische Regierung ein, die (wie viele europäische Regierungen) ein reges Interesse an einem hiesigen Regierungswechsel bekundete. In diesem Zusammenhang berichteten wir über den völlig andersartigen Umgang mit Protestlern im eigenen Land (G20 Gipfel in Pittsburgh), welche sich ebenfalls der Microblogging-Plattform bedienten.
Vor diesem Hintergrund wird vermutet, dass es sich bei der aktuellen Hacker-Attacke um eine Vergeltungsmaßnahme handeln würde, in der gezeigt werden sollte, dass nicht die USA über andere und darüber bestimmen, wer wo Zugang hat.
Twitter glänzt nicht gerade durch Sicherheitsbewusstsein und Datenschutz – das ist bekannt. Wie techcrunch berichtete hatte Twitter erst vor etwa zwei Monaten massive Probleme mit schlecht konfigurierten Webservern. Kurz zuvor wurden die Twitter-Betreiber in einem Security-Tip dazu aufgefordert, das Serverpasswort nicht gerade wörtlich zu nehmen („password“), da so jeder einigermaßen findige User den ganzen Dienst lahm legen kann. Und wieder einige Monate zuvor (im Juli diesen Jahres) wurde Twitter durch Hacker Geschäftsdokumente gestohlen, in denen geheime Informationen über ihre Geschäftstätigkeit verfasst waren. Die Pannen reißen also nicht ab. Insgesamt bleibt es unverständlich, wie die Betreiber der unter den 10 weltweit am häufigsten genutzten Websites einen so laxen Umgang mit Sicherheitsfragen fahren können.
Ein Tipp: Auch wenn bisher nichts passiert ist, wäre es nun doch ratsam nach dieser Attacke Passwörter zu ändern, nutzt man das Twitter-Passwort auch für andere Accounts.


