Natürlich – dies sei vorausgeschickt – bei ernsthaften Entscheidungsproblemen sollte man wirklich mit einem Fachmann sprechen; einem menschlichen. Doch für kleinere Entscheidungsprobleme gibt es inzwischen digitale Unterstützung in Form von „Entscheidungsunterstützungsportalen“ wie bspw. hunch.com (v. engl.: hunch = Ahnung, Intuition).
Dieser kollektiv intelligente Beschlussfasser nutzt Entscheidungsbäume, auf deren Basis immer mehr Möglichkeiten ausgeschlossen werden, bis nur noch wenige übrig bleiben.

„Welche Dinge sollte man tun bevor man stirbt?“
- Ein Buch schreiben?
- Jemandem bestimmten vergeben?
- Mit den Delphinen schwimmen?
- Die wahre Liebe finden?
- Oder eine Sprache lernen?
Natürlich können nicht für Jeden und jede Altersklasse dieselben Vorschläge gemacht werden und weil hunch.com intelligent ist, werden unmögliche Ergebnisse rausgefiltert, indem Antworten vorgeschlagen werden. Am Ende des Fragenkatalogs weiß man mehr:
- „Zu vergeben hab ich nichts und eine neue Sprache interessiert mich nicht, aber ein Buch möchte ich wirklich gern schreiben“.

Hier kann hunch.com weiterhelfen und entblößt damit seinen eigentlichen Sinn: Nutzer orientierte Werbung, die zu Drittanbietern führt. Jedoch nicht immer; manchmal wird auch einfach auf eine dazugehörige Erklärung in der wikipedia verwiesen. Insgesamt erinnert das Empfehlungssystem ein wenig an die Schlagwort bezogenen Adsense bei Google. Klar dabei ist: Die Kaufempfehlung bzw. Weiterleitung zu einem Anbieter ist nach Beantwortung der Themen bezogenen Fragen ausnahmslos zielgerichtet.
Das Empfehlungssystem
Nun kann man sich entscheiden: Hat man eine bestimmte Frage, wird die Suche oben rechts genutzt. Will man jedoch nur so stöbern, findet man die Themen eingeblendet, die momentan bearbeitet werden – von anderen hunch-community Mitgliedern.
Entschließt man sich zu einer Anmeldung, „lernt“ das Empfehlungssystem mit jeder beantworteten Frage einen selbst besser kennen. Wie bei jeder Social Networking Site kann nun das Profil eingerichtet werden: Bild, Schlüsselwörter zur eigenen Person, etc. (wobei die Nutzung von Features wie Google Maps bei der Auswahl des Wohnorts die gute Integration von Social Media Diensten zeigt).
In einem Netzwerk ist man vernetzt – so auch auf hunch.com. Und wie bei jedem Netzwerk sieht man die Aktivitäten der Follower auf seiner personalisierten Startseite. Von jedem hunch-Mitglied kann man Beiträge durchgehen: Themen, die es aufgeworfen hat; Fragen, die gestellt wurden und Pro-/Kontra-Beiträge, die zu einem bestimmten Thema hinzugefügt wurden. Ergebnisse kann man natürlich gleich twittern oder auf anderen sozialen Netzwerken wie Facebook veröffentlichen.
Nebenbei ist jedes hunch-Mitglied dazu aufgerufen, eigene Themen und Fragen zur Diskussion zu stellen. Eine große Auswahl mit detaillierten Ergebnissen zu gestellten Fragen findet man im hunch-blog.

Als Belohnung für sein Engagement bekommt man Abzeichen, bspw. ein Banjo, welches – je nach Häufigkeit der Mitarbeit – verschiedenfarbig zwischen 100 und 10.000 Banjos repräsentiert. Das Architektur-Abzeichen gibt an, dass ein eigen kreiertes Thema ein bestimmtes Feedback-Level überschritten hat und so weiter und so fort.
Wer steckt dahinter?
Die Frau, die so viel unternehmerischen Geist zeigte um aus Unentschlossenheit Profit zu generieren ist die amerikanische Unternehmerin Caterina Flake. Unter anderem Mitbegründerin des Foto-Sharing-Portals Flickr arbeitete sie nach dessen Aufkauf durch Yahoo! 2005 als Mitarbeiterin der online Community bis 2008.
Caterina Flake war und ist ein Kind der online Welt: Als Leiterin des Entwicklungsteams der Salon Media Group, einem täglichen online Magazin, forcierte sie bereits schon vor einigen Jahren die Entwicklung einer online Community, von sozialer Software sowie von Werkzeugen für Desktop Publishing.
Fazit
hunch.com bietet Unentschlossenen auf jeden Fall eine Möglichkeit, zu einer Entscheidung zu gelangen. Interessant ist auf jeden Fall die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen oder Empfehlungen abzugeben. Dabei funktioniert hunch.com wie ein wiki indem zu jedem Ergebnis eine URL oder andere weiterführende Informationen hinzugefügt werden können. Auch die Pros und Kontras, die man zu Themen und Fragen hinzufügen kann, sind sehr hilfreich.
Letztendlich liegt, allem Empfehlungsmarketing zum Trotz, jedoch die Umsetzung einer Entscheidung, also der Kauf einer Produktes oder die Handlung zur Tat, doch bei einem selbst. Oder wie hat ein weiser Mann einmal gesagt: Einfach tun!


