Bisher boomen in Deutschland Investitionen in Social Media noch nicht wirklich, bzw. ist der ROI von Social Media Kampagnen vielen noch nicht so ganz klar. Doch betrachtet man allein die Anzahl der Firmenneugründungen, die sich im Bereich des Community- und Online-Marketings ansiedeln, kommt man schnell zu dem Schluss, dass in spätestens drei bis vier Jahren soziale Netzwerke der Hauptadressat nicht nur Werbender, sondern auch von online Händlern sein werden.
Empfehlungsmarketing
Davon gehen auch die Münchner Managementberater Mücke Sturm & Company aus, die nach den Erfolgsfaktoren einer sozialen Kommerzialisierung geforscht hatten. Gibt es jetzt schon eine zunehmende Hinwendung zum Social Shopping, also der immer stärker werdenden Einbindung von Kunden in den Verkaufsprozess, so gehen sie davon aus, dass spätestens 2014 ein erheblicher Teil des online Handels sich über die sozialen Netze abspielen wird.
Mit mehr als 350 Millionen Nutzern steht Facebook ganz oben auf der Liste der zukünftigen Shopping Welten. Als Affiliate Netzwerk erster Güte werden sich demnach künftige Käufer über das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook und nicht mehr über Suchanfragen in Google oder Bing über ein entsprechendes Produkt informieren. Denn Facebook bietet Möglichkeiten, welche in den Suchmaschinen einfach nicht gegeben sind: Persönliche und vor allem individuelle Empfehlungen sowie Erfahrungsberichte. Folglich zählt ein persönliches Wort – und sei es nur in digitalisierter Form vorhanden – immer noch mehr, als unpersönliche Massenwerbung, mit der eine möglichst große Zielgruppe erreicht werden soll.
Social Networks versus Google
Was das für die Zukunft bedeutet ist klar: Google wird einen Großteil der Suchenden und damit auch Werbenden verlieren indem die Social Networks zur primären Produkt-Suchquelle avancieren. Dieser Trend erklärt vielleicht auch den etwas zu schnell eingefädelten Start von Google Buzz. Mit dem Community Upgrade für Google-Mail, über das sämtliche Funktionen sozialer Software wie Videos und Fotos tauschen, live Status-Updates veröffentlichen und Freundesnetzwerke aufbauen per Google Konto genutzt werden können, versucht Google seit vergangener Woche einen Fuß in die Welt der Social Networking Sites zu bekommen. Vor allem, nachdem Googles erstes, soziales Netzwerk orkut lediglich in Brasilien und Indien gut angenommen wurde.
Im Dialog mit dem Käufer
Laut Mücke Sturm & Company werde sich das Umsatzpotential von E-Commerce Aktivitäten in Social Media bis 2014 auf etwa 12 Milliarden Euro belaufen. Damit sind die Betreiber von online Shops zu erneuten Strategiefindung aufgerufen. Das bedeutet nicht nur die rein technische Integration von Facebook oder Twitter Connects, sondern darüber hinaus die Integration von Kundendialogen.
amazon hat vorgemacht, wie es geht: Kunden besprechen Produkte. Darauf und auf Basis der Seitennavigation war es möglich, ein kundenorientiertes Empfehlungswesen mit sehr guter Trefferquote zu etablieren. Im Ergebnis bedeutet dies, dass das Potential für eine Umsatzsteigerung bei den Nutzern selbst liegt – zusätzlich angefacht durch die Möglichkeit, einen eigenen online Shop in amazon zu etablieren.

Jahre später gehen auch andere große Unternehmen diesen Weg – und darüber hinaus: So optimiert Sturbucks bereits seit einiger Zeit seine Produkte mit Hilfe seiner Kunden. Auf dem Crowdsourcing-Portal mystarbuckidea werden Kunden dazu angehalten, Vorschläge einzubringen. Mal gibt es einen Gutschein, Mal werden neue Muffin Sorten kreiert. Dabei haben die Vorschläger jeder Zeit die Möglichkeit, den Status ihres Vorschlages online abzufragen.
Demnach ist Interaktion mit der Marke für Kunden heutzutage ein wichtiges Kriterium, welches auch von Werbetreibenden nicht mehr vernachlässigt werden kann. Vor allem, da nicht nur die Markenkommunikation, sondern auch die Markenbildung tatsächlich online vonstatten geht. Moderne Konsumenten sind kritisch und berichten von ihren Erfahrungen mit dem Produkt, aber auch über das Produktumfeld, sprich Kundenservices, online Benefits, Widgets, Gadgets, Apps und dergleichen mehr.
Community Marketing
Während es bei klassischer Werbung früher um den Transport einer bestimmten Aussage ging („Marlboro-Raucher sind cooler als West-Raucher“), geht es heute um den Transport gewisser Erfahrungswerte, so genannter „branded experiences“. An diesen ist jeder beteiligt bzw. sollen möglichst viele beteiligt werden – das Unternehmen selbst muss „lediglich“ dafür Sorge tragen, dass diese Erfahrungen möglichst positiv ausfallen.
Hier lässt sich ein gewisser Wandel feststellen, der sich in den nächsten Jahren noch viel deutlicher kristallisieren wird: Die Markenkultur wird von einer Fankultur abgelöst werden. Bereits ohne große Marketingaktionen treten täglich etwa 10 Millionen Menschen in Facebook der Fanseite einer Marke oder eines Unternehmens bei. Da ist es nur logisch, wenn die Social Networks mit ihrem Angebot nachziehen und demnächst erweiterte Möglichkeiten für Social Shopping schaffen.



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