Google Buzz – die Übernahme geht weiter

12.02 2010

Google Buzz sollte eine kleine Revolution werden mit deren Hilfe der Suchmaschinengigant nun die Welt der sozialen Netzwerke aufmischen will. Der neue Dienst, der ohne große Vorankündigungen Dienstag als Update des Google-Mail Dienstes gmail (oder auch googlemail) vorgestellt wurde, setzt voll auf den Social Communities Trend: Vernetzen & Austauschen. Videos, Bilder, Kommentare – was das Herz begehrt wird mir Google Buzz in Echtzeit verschickt.

Darin liegt der große Coup und die große Konkurrenz zu den „echten“ Social Networks – in den Echtzeitupdates, die ohne Seitenaktualisierung angezeigt werden. Denn diese kannten wir bisher nur von Social Networking Sites wie Facebook oder StudiVZ sowie dem Microblogging-Dienst Twitter.  

 

 

Google Buzz vereint nun die einzelnen Dienste zu einem großen Ganzen (oder wie es die Amerikaner nennen: zu einem „One Stop Shop“) – Mailprogramm, Foto- und Videosharing-Portal, Twitter-Dienst und Newsreader sowie Social Networking Site. Dabei werden Statusupdates in den Nachrichtenströmen ebenso einfach verfasst wie eine Mal und im Gegensatz zu Twitter sind diese nicht auf 140 Zeichen begrenzt. Selbstredend kann Google Buzz mit dem Handy ebenso genutzt werden wie am PC. Es gibt die Möglichkeit, Flickr-Alben einzubinden, oder Picasa-Bilder; ebenso Tweets und YouTube-Videos.

 

Peinliche Angaben

Hat man bereits einen Google-Mail Zugang, trennen einen nur wenige Klicks vor dem allumfassenden Google-Surren. Zunächst wird ein Profil erstellt, wobei Google so freundlich ist und Links aus dem Google Reader automatisiert übernimmt, so dass man nur noch ein paar wenige, noch wichtige Informationen bereithalten muss. Dabei handelt es sich weder um ein therapeutisches Wochenende, noch um eine spirituelle Erforschung des Alter Ego, auch wenn Fragen nach „Orten an denen ich gewohnt habe“ oder „Meine Superkräfte“ sowie der Hinweis "Sie solten etwas Interessantes veröffentlichen" den Beigeschmack eines Seminars über kreative Lebensplanung haben.

Fraglich bleibt hier, ob die Zurschaustellung personenbezogener Daten mehr Akquise wütigen Sekten oder den In- und Auslandsgeheimdiensten in die Tasche arbeiten. Natürlich ausgenommen von Google, als Konzern, der eh schon alles weiß über uns und mit Buzz wird das unendlich viel mehr. Denn jede Veröffentlichung ist zunächst auch öffentlich und fließt damit sofort in Google organic, der Suchmaschine von Google, ein. Und so manches mehr ist im Fluss: Freunde werden bei Google Buzz nicht mehr manuell, also selbstständig und nach eigenem Dafürhalten gesucht, sondern automatisiert hinzugefügt: Alle aus den Google-Mail Konversationen. Ausgeblendet wird dabei, dass es sich beim Mailverkehr meist um eine Konversation zwischen zwei Teilnehmern handelt, die zudem in den meisten Fällen nicht befreundet sind und darüber hinaus keine öffentliche Konversation führen möchten. Aus diesem Grund haben viele ein geschäftliches und ein privates Konto – als Buzzer wird das zum Problem. 

Google liest weiterhin auch Interessen der Nutzer automatisiert aus dem Nutzerverhalten aus und fügt dementsprechend Statusmeldung von fremden Buzzern zum eigenen Nachrichten-Stream hinzu. Begründung ist, Google wolle damit seinen Nutzern lästiges Suchen ersparen und mache auf diese Weise auf interessante Personen aufmerksam. Selbstverständlich automatisiert. Google nennt dies eine „Empfehlungsfunktion“. 

Fazit

Mit Google Buzz fühlen sich Nutzer bevormundet. Auch wenn die Betreiber des All-in-one-Services annehmen, Empfehlungsfunktion und automatisiertes Freunde hinzufügen wären Zeit ersparende Dienste, behalten Social Networker doch gerne ihr online Leben selbst in der Hand. Dabei meint Google mit Buzz alle Community-Dienste zu ersetzen; vergisst jedoch, dass gewohnte Social Networker nicht auf Facebook oder Twitter verzichten möchten. 

Hier scheint einer der Knackpunkte für die bisherige Ablehnung von Google Buzz zu liegen: Weil der Konzern mit seinem neuen Produkt die bisherigen Social Networks ins Abseits drängen möchte, fehlt ein Facebook- oder Twitter-Connect, was insgesamt fast 400 Millionen Nutzern ein Dorn im Auge sein wird. Hinzu kommt der quasi nicht mehr vorhandene Datenschutz. Denn dadurch, dass Mail-Kontakte in Google Buzz zu Freunden werden, werden diese Kontakte öffentlich. Welche Auswüchse das annehmen kann, kann sich jeder selbst ausmalen. 

2 Responses to “Google Buzz – die Übernahme geht weiter”

  1. [...] primären Produkt-Suchquelle avancieren. Dieser Trend erklärt vielleicht auch den etwas zu schnell eingefädelten Start von Google Buzz. Mit dem Community Upgrade für Google-Mail, über das sämtliche Funktionen sozialer [...]

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