Der Tiger in dir – Brüll mit den letzten ihrer Art

19.05 2010

TIGER, tiger, burning bright
In the forests of the night,
What immortal hand or eye
Could frame thy fearful symmetry?
[…]

William Blake, 1794: “Songs of Experience”

Einst beherrschte der Panthera tigris die Wälder Indiens über den gesamten süd- und südost-asiatischen Raum bis nach Russland hinauf. Als imperialer Führer in der Art der Großkatzen symbolisiert er Mut, Tapferkeit und Gefahr. Ein Tiger scheut sich nicht, einen Kampf gegen Ranghöhere auszutragen, auch wenn dieser seinen Tod bedeuten kann. 

Im ungleichen Kampf ums Überleben heißt der ranghöhere seit vielen Jahren Mensch und der Tiger, der zwar gewaltige Pranken und einen ordentlichen Biss hat, zieht den Kürzeren. Seit den 1970er Jahren gelten Tiger in Vorder- und Zentralasien als ausgestorben. Das ist nicht weiter verwunderlich, wurde sein Lebensraum doch allein in den Jahren zwischen 1995 und 2005 um 40 Prozent verringert. So gibt es keinen Bali-, Java- und auch Kaspischen Tiger mehr und laut WWF beschränkt sich die gesamte Population der letzten frei lebenden Exemplare in Asien auf gerade Mal 3.200 insgesamt. Zum Vergleich: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag deren Anzahl bei weit mehr als 100.000.

Der WWF brüllt für die letzten ihrer Art

Es steht schlecht um das Überleben des Tigers. Dazu trägt zum einen der ständig schrumpfende Lebensraum der Großkatzen bei und zum anderen die nicht nachvollziehbare und kranke Sammelleidenschaft einiger Menschen, welche nach Fell, Knochen, Zähnen und getrockneten Tigerpenissen gieren, die leider auch heute noch als wertvolle Aphrodisiaka gelten. 

Dies und das Jahr des Tigers, welches nach dem chinesischen Kalender am 14. Februar angebrochen ist, war Grund genug für den WWF weltweit erneut eine Tiger Kampagne zu starten. Ausgangspunkt der Befehdung des Niedergangs sind die sozialen Medien. Und so werden Facebook, Twitter & Co. eingesetzt. Ziel ist es, bei dem Tiger-Gipfel, der im September in Russland stattfinden wird, genug Öffentlichkeit zu haben, so dass auf konkrete und verbindliche Schutzmaßnahmen für die Großkatze gedrungen werden kann.

Spende deinen Status

Mit dem WWF kann man nun zum Tigerretter werden, indem man seine Botschaft in die Welt brüllt: Dabei hat das Tigergebrüll via Facebook oder Twitter den Zweck, Aufmerksamkeit auf die letzten Großkatzen zu lenken, die, wenn es so weiter geht, bald nur noch in Zoos vorkommen werden. Um dies zu verhindern, hat sich der WWF so einiges einfallen lassen

Das Tiger-Brüllen über den Kurznachrichtendienst Twitter wird ebenso von prominenter Seite unterstützt, wie von Einzelpersonen und Organisationen. Im deutschsprachigen Raum lautet die Nachricht, wie folgt.

Eindrucksvoller ist jedoch die Applikation, die der WWF für seine Tiger-Kampagne auf Facebook gelauncht hat. Nach Aussagen der webguerillas GmbH, die den Pressereferent des WWFs, Roland Gramling, interviewte, war für die Entscheidung zu einer online Kampagne ausschlaggebend, dass gerade ein jüngeres Publikum auf das Aussterben der Tiger aufmerksam gemacht werden sollte. Und diese zumeist Technik affine Gemeinschaft finde sich eben im Internet, auf Social Networking Sites wie Facebook sowie dem Videoportal YouTube und über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Natürlich gewinnt man via Social Media den Kampf um den Lebensraum der Tiger nicht allein. Dazu benötigt der WWF Spenden, die ganz gezielt eingesetzt wird:

  • Mit 100,- Euro kann ein Team von vier Wildhütern in Kambodscha eine Woche den Lebensraum der Tiger sichern und dabei Fallen und Wilderer aufspüren. 
  • Mit 40 € können 160 Hektar Lebensraum in der Bikin-Region für den Amur-Tiger auf ein Jahr gesichert und damit verhindert werden, dass die Wälder abgeholzt werden.
  • Mit 520 € kauft der WWF eine unverwüstbare Fotofalle, welche für die Überwachung der Tiger in den Trockenwäldern der Mekong-Gebiete dringend benötigt wird.
  • Mit 60 € werden Wildhüter für ihre Arbeit ausgerüstet (Uniformen, Schlafsäcke oder GPS-Geräte).
  • Mit 10 € kann der Lebensraum der Tiger geschützt werden, indem der WWF 40 Hektar Waldgebiet in der Bikin-Region für den Amur-Tiger für ein Jahr sichern kann.

Aussichten

Trotz der düsteren Aussichten bleiben Hoffnungsschimmer. Zunächst konnte die Weltbank für die Unterstützung des Tiger gewonnen werden, indem nach einer bankinternen Richtlinie Projekte, durch welchen die Großkatzen Schaden nehmen könnten, nicht mehr monetär unterstützt werden. Größte Hoffnung liegt jedoch bei Russland und weiteren zwölf südost-asiatischen Ländern, welche bei einem ersten Zusammentreffen beschlossen hatten, den derzeitigen Bestand innerhalb von 12 Jahren zu verdoppeln. Das ist ein Anfang.
 

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