Facebook Sperrung: Nach Pakistan nun auch Bangladesch

31.05 2010

Vor knapp zwei Wochen wurde in Pakistan per Gerichtsbescheid des Hohen Gerichts die weltgrößte Social Networking Site Facebook gesperrt – und wo man schon dabei war, auch noch das Fotoportal Flickr, das Videoportal YouTube sowie die Wikipedia. Anlass der Sperrung gab eine Gruppe, die zu einem Zeichenwettbewerb aufrief, wobei die Teilnehmer aufgefordert wurden, den Propheten Mohammed zu malen. Laut Betreiber handelt es sich dabei explizit nicht um eine Islam-Hass-Seite, sondern soll ganz im Gegenteil extremistischen Moslems vorgeführt werden, dass sich Verfechter der Meinungsfreiheit eben nicht einschüchtern lassen.

Da die Veröffentlichung von Karikaturen des islamischen Propheten schon 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten international für großen Wirbel sorgte, was im Verlaufe der Auseinandersetzung mehr als 100 Menschenleben kostete, war die Reaktion aus dem Land Ali Jinnahs nicht überraschend. Kurz zur Erinnerung: Pakistan gilt unter Stabilitäts- und Sicherheitsaspekten derzeit als das gefährlichste Land der Welt, da etwa ein Drittel des Staatsgebietes nicht mehr unter Regierungsgewalt steht, sondern von Taliban kontrolliert werden, was bei einer Atommacht ein mehr als ungutes Gefühl hervorruft.

Bangladesch und die Karikaturen

Eigentlich gilt – oder sagen wir besser galt – Bangladesh aufgrund seiner synkretischen Kultur, in der Elemente des Buddhismus ebenso zu finden sind, wie des Hinduismus und Animismus, sowie aufgrund der einstigen Prägung durch größtenteils friedliebende Sufis (islamischen Mystiker) als moderat islamisch, obwohl seit den 1990er Jahren und verstärkt nach Jahrtausendwende islamistische Strömungen zunahmen. In Anbetracht der polarisierten und festgefahrenen Auseinandersetzungen im Land bieten jedoch heute radikal islamische Strömungen eine willkommene Alternative, welche zudem erheblichen Rückhalt aus Geldgeberstaaten wie Saudi-Arabien oder dem Iran erhalten.

Genau dieser zunehmende Einfluss auf die in Armut und Abhängigkeiten lebenden Bangladeschis ermöglichte eine Radikalisierung der Gesellschaft inklusive ihrer Medien, wobei die Zivilgesellschaft trotz der vielen Nicht-Regierungsorganisationen in Bangladesch nie besonders stark ausgeprägt und immer durch die beiden vorherrschenden Parteien (BNP und Awami League) dominiert wurde.

Nun hat die Regulierungsbehörde BTRC im Land der Bengalen ebenfalls Facebook vom Netz genommen. Gründe für die Internetsperre seien laut BBC die Verletzung der religiösen Gefühle der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung durch die Veröffentlichung der Karikaturen, sowie die anstößige Darstellung des Staatsgründers Sheikh Mujibur Rahman und anderer führender Politiker. 

Gegen den Facebook Bann finden bereits Proteste aus studentischen Kreisen statt und es gibt auf Facebook selbst bereits mehrere Seiten und Gruppen gegen die Internetzensur; ebenso wie gegen „anstößige“ Mohammed-Karrikaturen.

Nach offiziellen Angaben soll die Sperrung wieder rückgängig gemacht werden, wenn die entsprechenden Seiten entfernt wurden. In Bangladesch werden bereits Facebook Nutzer, die sich auf der Social Networking Site regierungs- oder islamkritisch äußerten vom paramilitärischen Rapid Action Bataillion (RAB) verhaftet. Das RAB ist für sein Macho-Image und äußerst brutales Vorgehen bekannt, zu dem außergerichtliche Exekutionen, Folterungen und unrechtmäßige Verhaftungen gehören.

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