Schmierkampagne gegen WikiLeaks Gründer Julian Assange

23.08 2010

Julian AssangeAm vergangenen Freitag ist Julian Assange der Gründer der Whistleblower Plattform WikiLeaks kurzfristig festgenommen worden. Die Gründe der Verhaftung, Vorwürfe wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung, konnten jedoch nicht bestätigt werden.

WikiLeaks

WikiLeaks dient der Veröffentlichung geheimen Datenmaterials und so bietet das Portal die technischen Rahmenbedingungen zur Enthüllung unethischen Verhaltens in Regierungen und Unternehmen. Aufgrund der anonymisierten Veröffentlichung müssen die Whistleblower nicht mit Repressalien von Regierungen rechnen, so dass mit WikiLeaks ein unzensierter Raum im Internet geschaffen wurde.

Repressalien von Regierungsseite spürten Mitarbeiter häufig. Diese richteten sich vor allem gegen Frontmann Julian Assange, der zusammen mit dem deutschen Sprecher Daniel Schmitt als einzige Personen öffentlich für WikiLeaks in Erscheinung tritt. Besonders die Veröffentlichung eines Militärvideos über ein von US-Soldaten verübtes Massaker am 12. Juli 2007 im Irak, bei dem zwischen 18 bis 26 Zivilisten starben (darunter zwei Reuters Journalisten), sorgte für Unmut bei den Geheimdiensten.

Beobachtung durch Geheimdienste

Seit Anfang Juni bekannt wurde, dass der 22 Jahre alte, inzwischen in Bagdad verhaftete Geheimdienstanalyst Bradley Manning des Nachrichtendienstes der US-Army etwa 260.000 diplomatische Depeschen an WikiLeaks weitergeleitet haben soll, wurde Assange vom US-Geheimdienst aufgrund möglicher Verbrechen in Zusammenhang mit der Beschaffung von geheimen Dokumenten gesucht und WikiLeaks als ernsthaftes Sicherheitsrisiko eingestuft. Darüber spricht Assange in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Juli diesen Jahres.

Die neusten Vorwürfe richten sich jedoch ganz persönlich gegen die Person Julian Assange.

Diffamierung durch den US-Geheimdienst?

Auf die Schmierkampagne mit der Konsequenz eines Haftbefehls aus Stockholm , in der zwei Frauen Assange wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung beschuldigten, reagierte der unauffindbare Internetaktivist mit einer Twitter Nachricht. Darin outete er die Ermittlungen als Verschwörung. „Die Anschuldigungen entbehren jeder Grundlage und dass sie gerade jetzt auftauchen, ist sehr beunruhigend". Nur wenige Tage zuvor wurde die Veröffentlichung weiterer geheimer Armee-Dokumente angekündigt.

Am gestrigen Sonntag äußerte sich Julian Assange nun erstmals zu den Vorwürfen auf dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera.

Komischerweise wurden Haftbefehl und Fahndung wegen Vergewaltigung nach weniger als 24 Stunden wieder fallen gelassen, obwohl eine der beiden Frauen in der schwedischen Zeitung Aftonblatt ihre Vorwürfe wiederholte und untermauerte, dass diese weder vom Pentagon noch von anderen inszeniert wurden. In den Vorwürfen wegen Belästigung steht Aussage gegen Aussage. Die Rücknahme des Haftbefehls wurde von der schwedischen Staatsanwaltschaft mit einem zum Ausstellungszeitraum vorhandenen Informationsdefizit begründet. Weiterhin seltsam (zumindest für das liberale Schweden) ist auch, dass der Name eines Beschuldigten so frühzeitig in den Medien bekannt gegeben wurde.

Der Schaden bleibt

Verleumdungskampagnen, vor allem solche, die auf sexuellem Missbrauch basieren, hinterlassen immer einen schalen Nachgeschmack in der Öffentlichkeit (s. Kachelmann). Besonders die Gegner von WikiLeaks werden auch nach Entkräftigung der Vorwürfe argumentativ die angeblichen sexuellen Vorlieben Assanges zur Diffamierung der Whitsleblower Plattform nutzen.

Die Frage, die es nun noch zu klären gilt ist jedoch die: Wer steckt wirklich hinter der Schmierkampagne?

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

Follow us: