
Was sich eher nach einem netten Ausflug in die Antike anhört, ist seit Jahren für uns alle zur Bezeichnung einer Bedrohung geworden. „Trojaner“ lauern in jeder Spam-Mail, und seit Neuestem hat die Angelegenheit ungekannte Dimensionen angenommen. Die kleinen Programme schmuggeln sich unbemerkt auf einen Rechner, um dann wie das trojanische Pferd des Odysseus von innen die Kontrolle über den Rechner zu übernehmen.

In einer Zeit, in der Wikileaks versucht per Internet Transparenz in die Welt zu bringen, in der Journalisten aus Moskau, Aserbaidschan, China, dem Iran, den Philippinen, Ägypten, Kasachstan, und so weiter und so weiter in dem Versuch ihr Leben riskieren, die Welt über Missstände in ihrem Land per WWW aufzuklären, in solchen Zeiten werfen wir das Handtuch und reihen uns langsam aber sicher in die Liste oben genannter Länder mit ein.

Bejubelt und kritisiert – wie jedes neue Tool muss auch der ortsbezogene Dienst “Facebook Places” für viele Visionen herhalten. Unter kritischer Beobachtung durch Datenschützer und voller Erwartungen für übermotivierte Staatsangestellte, raten diese dringend dazu an, eigene Sicherheitseinstellungen hochzufahren. Nun wird die ein oder andere bemerkenswerte Person ihren Account löschen – doch geht das Leben weiter und der Dienst auch. In spätesten vier Wochen, wenn erste Horror-Meldungen darüber, wie Einbrecher per Places-Infos Rekordumsätze gemacht haben, verklungen sind, wird – wie so oft – kein Hahn mehr danach krähen – weil schon längst die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.

Die Nato ist das verteidigungspolitische Bündnis, welches im aufkommenden Kalten Krieg gegründet wurde. Hintergrund war die Herstellung von Sicherheit durch Abschreckung und Aufrüstung und die Demonstration ständiger Abwehrbereitschaft.
Diskussionen um die Auflösung der Nato wurden spätestens nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zerfall des Warschauer Paktes virulent. Nun schlägt die Debatte um neue sicherheitspolitische Konzepte in eine ganz andere Richtung – um eine Ausweitung des Bündnisfalls auf kriegerische Aktivitäten im Internet – sprich den Cyberwar.

Julian Assange ist Gründer von WikiLeaks – der Whistleblower Plattform für Transparenz. Nach der Veröffentlichung brisanten Materials, zuletzt eines Afghanischen Kriegstagebuchs, stand Assange unter Beobachtung der Geheimdienste.
Nun wurde nur wenige Tage nach Ankündigung der Bereitstellung weiterer, geheimer Dokumente zum Krieg in Afghanistan der Frontmann in Schweden u. a. der Vergewaltigung bezichtigt und zur Fahndung ausgeschrieben. Obwohl die Anklage binnen 20 Stunden wieder fallen gelassen werden musste, hat der Ruf des Internetaktivisten erheblich gelitten.

www – das world wide web klingt zunächst nach Freiheit. Keine nationalen, kulturellen oder politischen Schranken kennt es (prinzipiell) und jeder kann (theoretisch) darauf zugreifen, denn es ist grenzüberschreitend, multilingual und ebenso multikulturell.
Hört sich alles gut an – entspricht aber bei Weitem nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Denn nur 4,7 Prozent der weltweiten Internetnutzer haben tatsächlich freien Zugang zum Internet. Das heißt im Umkehrschluss, dass 95,7 Prozent unter Internetzensur leiden müssen – ganz schön erschreckend.





